Ergebnisse zweite Onshore-Auktion – dominanter Windparkentwickler schickt Preise auf Talfahrt

Die Bundesnetzagentur hat am 15. August die Ergebnisse der zweiten Ausschreibung für Wind an Land bekannt gegeben. Mit 281 Geboten und einem Volumen von 2.927 Megawatt (MW) war die Ausschreibung erwartungsgemäß hoch überzeichnet, da nur 1.000 MW ausgeschrieben waren. Insgesamt wurden 67 Gebote mit einem Gebotsumfang von 1.013 MW bezuschlagt. Von dieser bezuschlagten Menge hat alleine der Windparkentwickler UKA aus Meißen 689,25 MW erhalten. Davon entfielen fünf Zuschläge auf Projekte mit BImSchG-Genehmigung (29,55 MW) und 37 auf privilegierte Bürgerenergiegesellschaften (659,70 MW), die von UKA professionell betreut werden. Die übrigen Zuschläge gingen an 23 weitere Bürgerenergiegesellschaften (etwa 300 MW) und an ein BImSchG-Repowering-Projekt der W.E.B. mit 21,6 MW.

Für einen 100-%-Standort liegt der durchschnittliche Zuschlagswert bei 4,28 ct/kWh. Der höchste Gebotswert eines Gebotes, dass noch einen Zuschlag erhalten konnte, beträgt 4,29 ct/kWh, der niedrigste Gebotswert beträgt 3,50 ct/kWh. Da das zulässige Zuschlagsvolumen von 322 MW nicht erreicht wurde, hatte das Netzausbaugebiet in dieser Ausschreibung keine Auswirkungen auf die Zuschlagsentscheidungen.

Diese niedrigen Zuschlagswerte, die nach unserer Auffassung strategisch bestimmt gewesen sind, haben sogar uns stark überrascht. Es wurden Grenzkostenbereiche erreicht, die wir erst im nächsten Jahr erwartet haben. Preise von 3,50 bzw. 4,28 ct/kWh für einen 100-%-Standort in Deutschland zu realisieren, ist extrem sportlich und an den meisten Standorten nicht umsetzbar. Verantwortlich dafür sind unter anderem: zu niedrige Windgeschwindigkeiten auch in Nabenhöhen um 150 Meter, kleine Projektgrößen von durchschnittlich drei bis sieben Anlagen, hohe Umweltauflagen, extrem hohe Pachten sowie ein sehr risikoreiches Geschäft mit hohen Ausfallraten.

Grundvoraussetzung um überhaupt bei diesen Vergütungssätzen wirtschaftlich arbeiten zu können, sind sehr niedrige Anlagenpreise. Die Anlagenhersteller müssen hier im Gegensatz zu den aktuellen Preisen nach unseren Berechnungen auf Werte von 700.000 bis 800.000 €/MW (ohne Fundament) für Standardanlagen kommen. Diese Zielwerte sind allerdings nicht unrealistisch, da sie in vielen ausländischen Märkten bereits die Richtgröße sind. In Deutschland konnten in der Vergangenheit aufgrund der gesetzlich festgesetzten EEG-Vergütung ohne wirklichen Preiswettbewerb, unerwartete Gewinne erzielt werden. Die meisten Windenergieanlagenhersteller stellen sich auf diesen Preisverfall bereits seit längerem ein und senken weiterhin konsequent ihre Herstellungskosten. Dazu passen folgende Meldungen ins Bild: Senvion schließt seine Produktionsstandorte in Deutschland, Siemens Gamesa baut 600 Arbeitsplätze in Dänemark ab, und Nordex/accionia Windpower hat auf seiner jüngsten Pressekonferenz am 3. August ebenfalls Kostensenkungsmaßnahmen im Personalbereich angekündigt.

Für die Anlagenhersteller erweisen sich aber nicht nur die niedrigen Preise als problematisch, sondern auch die sich abzeichnende Auftragsflaute in Deutschland ab Mitte 2018. Da in den ersten beiden Ausschreibungen nur etwa 80 MW BImSchG-genehmigte Projekte den Zuschlag erhalten haben, können diese auch nur Aufträge in den nächsten Monaten erteilen. Die Vielzahl der privilegierten Bürgerenergiegesellschaften muss erst einmal eine Genehmigung für ihre Projekte erwirken und hat nun 54 Monate Zeit bis zur Realisierung. Reale Aufträge werden wahrscheinlich erst in zwei bis drei Jahren erteilt und in den Auftragsbüchern der Hersteller erscheinen.

Aber nicht nur die Anlagenhersteller sind vom starken Preisverfall betroffen, sondern auch die mehr als 150 Projektentwickler in Deutschland. Deren Markt schrumpft durch die Deckelung auf 2.800 MW um 50 Prozent, und mit den niedrigen Windstromvergütungen sinken auch die Preise für ihre Projektrechte massiv. Aktuell bekommen nur sehr wenige Akteure (primär jene, die Bürgerenergiegesellschaften betreuen) überhaupt Zuschläge in den Ausschreibungen. Im Augenblick ist die wirtschaftliche Situation dieser Projektierer noch relativ gut, da sie die Aufträge für die „Übergangsanlagen“ aus dem letzten Jahr abarbeiten. Die Auftragsflaute kommt hier aber auch spätestens ab 2018. Besonders stark wird es die kleinen und mittelständischen Projektentwickler treffen, da laut unserer Marktanalyse nur die größten zehn bis 20 Projektierer zukünftig wettbewerbsfähige Preise in den Ausschreibungen bieten können. Ein Bestellvolumen von mindestens 50 bis 100 MW pro Hersteller und Jahr und damit direkt verbunden ein sehr niedriger Einkaufspreis für die Windenergieanlage mit Servicevertrag wird hier der entscheidende Erfolgsfaktor sein. Wir haben deshalb frühzeitig mit Projektentwicklern und Investoren ein Kooperationsmodell entwickelt, das auch Kleinprojektierern ein weiterhin erfolgreiches Arbeiten in dem sich stark verändernden Markt ermöglicht. Auch die Bildung von Einkaufsgemeinschaften und damit die Bündelung von Bestellvolumen ist ein möglicher Lösungsansatz.

Die Situation bei der bevorstehenden Ausschreibung für Windenergie an Land am 1. November (1.000 MW) wird sich auch nicht verbessern, da dann etwa 1.800 MW BImSchG-genehmigte Projekte und erneut viele privilegierte Bürgerenergiegesellschaften Gebote abgeben werden. Eine hohe Überzeichnung und weitere sinkende Preise sind zu erwarten. Die notwendige Konsolidierung im Windbereich schreitet weiter voran.

Övermöhle Consult & Marketing im Profil

Die Firma Övermöhle C&M verfügt seit mehr als 15 Jahren über Beratungskompetenz im Bereich Windenergie. Das Unternehmen erarbeitet gemeinsam mit seinen kleinen- und mittelständischen Kunden Marktstrategien und unterstützt sie aktiv bei der Realisierung, damit die angestrebten Ziele schneller erreicht werden. Aufgrund der langjährigen Beratertätigkeit bestehen zu den meisten Windkraftprojektierern, aber auch zu vielen Herstellern und Zulieferern persönliche Kontakte, die in jede Zusammenarbeit eingebracht werden. Unsere regelmäßig erscheinenden Studien u.a. „Kurzanalyse des Marktes für Windkraftprojektierer in Deutschland“ liefern realistische Einschätzungen und Prognosen der zukünftigen Entwicklungen. Unsere langjährige Markterfahrung und gute Vernetzung in der Windbranche versetzt uns in die Lage, auch Ausschreibungsergebnisse treffsicher zu prognostizieren. Daneben betreut die Firma in- und ausländische Investoren bei ihren Anlageentscheidungen. Övermöhle C&M konnte bisher gemeinsam mit seinen Kunden 18 Windparks mit 107 Windenergieanlagen (222,8 MW) und einem Investitionsvolumen von 315 Mio. Euro erfolgreich vermarkten.

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